Hundeausstellungen heute

Die heutigen Hundeausstellungen- Nur Shows der Eitelkeiten?!

Ich schreibe diesen Artikel, weil ich seit geraumer Zeit merke, dass sich die Hundeausstellungen mehr zu Shows der Eitelkeiten entwickelt haben. Eine, wie ich finde, ungute Entwicklung.
Kommt man mit einem soliden Hund auf die Ausstellung, der frei von Übertypisierung und Übertreibungen ist, hat man einen schweren Stand. Der Extravagante fällt auf und wird meist bevorzugt.

Das Fass zum Überlaufen brachte meine zuletzt besuchte Ausstellung, die European Dog Show im Juni 2019 in Wels/Österreich. Das hatte nichts mehr mit einer Hundebewertung zu tun. Teures Meldegeld-teurer Parkplatz- weit entfernt vom Messegelände- Massenabfertigung beim Richten, ohne Richterbericht oder Urkunde. 66 Hunde wurden in 1,50 Std. gerichtet. Ich weiß nicht einmal mit welchem Formwert mein Hund aus dem Ring geschickt wurde. Nachvollziehbar war diese Beurteilung keineswegs. Für mich war jedoch klar, ich werde keine oder kaum mehr Hundeausstellungen mit meinen Hunden besuchen.

Früher wurden Ausstellungen Zuchtschauen genannt und waren das Schaufenster der Züchter. Ein wichtiges Instrument, um als Züchter z.B. den richtigen Deckrüden für seine Hündin zu finden und eben seinen eigenen Hund vom Zuchtrichter bewerten zu lassen, ob er dem Standard weitgehend entspricht, welche kleinen Mängel er hat und ob man mit dem Hund auch züchten konnte.

Damit haben die heutigen Ausstellungen leider nur noch wenig zu tun- sie sind Events- es kommen Züchter und Aussteller mit Rang und Namen aus aller Herren Länder mit heraus geputzten Hunden, die oftmals schon von Vorneherein wissen, dass sie bei den entsprechenden Richtern auch ihr CAC oder BOB einheimsen, weil ihre Hunde dem Geschmack des Richters entsprechen oder die Aussteller/Zwinger persönlich bekannt sind.

Der Bekanntheitsgrad der Hundezüchter/Handler ist leider oft entscheidend für den Sieg.

Ich möchte natürlich nicht alle Richter über einen „Kamm scheren“, das wäre nicht gerecht- es gibt sie noch die Richter, die ehrlich und sachkundig bewerten, sie sind nur in der Minderzahl oder schon gestorben- tolle Kynologen, die den Blick fürs Wesentliche nicht verloren haben. Viele junge Richter haben das nicht mehr gelernt- sehen nur den „modernen Typ“- wie schnell gewöhnen wir uns an die Veränderung einer Rasse?!
Abnorme anatomische Veränderungen werden als rassetypisch bezeichnet.
Mein Championrüde wurde auf der Internationalen Ausstellung in Split/Kroatien mit einem sg (sehr gut) aus dem Ring entlassen, weil er ein „very old type“ ist.

Leider haben eben nur noch wenige Richter den Mut und zeigen „Rückgrat“ und geben einem Anfänger-Handler oder soliden Züchter, der einen moderaten, schlichten Hund vorführt, das CAC oder BOB.

Nein, es wird der Auffällige, an dem das Auge des Richters hängenbleibt, auf Platz 1 gesetzt, obwohl er nicht korrekt ist, aber er hat eben irgendwas- sticht heraus, sei es ein zu langer Hals, zu edler Kopf, sehr langes üppiges Fell- und hier wird’s gefährlich. Es etabliert sich auf diese Weise ein Typ, der Eigenschaften hat, die nicht zu den rassetypischen Attributen zählen.

Richter könnten Angst haben, dass sie bei korrektem Richten, ihre Karriere aufs Spiel setzen und bei den Zuchtvereinen und Funktionären nicht mehr gut ankommen.
Ein krankes Denken, denn so vergraulen sie viele Aussteller, die gute, dem Standard entsprechende Hunde haben, aber wenn diese sich nur als „Kanonenfutter“ betrachten können und mit ihren soliden, standardgerechten Hunden nie den zu Recht verdienten Sieg erringen können oder abgestuft werden, weil grundsätzlich die „bekannte“ Konkurrenz gewinnt, haben diese keine Lust mehr, Ausstellungen zu besuchen.
Von einem Richter erwartet man ethisches Verhalten. Er muss dafür Sorge tragen, dass eklatante Fehlentwicklungen oder Überinterpretationen des Rassestandards unterbleiben.

Es kann auch nicht angehen, dass z.B. beim Pudel nur der Hund gewinnt, der die beste Frisur hat.
Grooming Wettbewerbe/Meisterschaften sind doch dafür der geeignetere Austragungsort. Auf diesen angesagten Events kann sich der Groomer/Hundefriseur und meist Besitzer des Hundes doch an der Frisur seines Hundes auslassen und Medaillen einheimsen.

Bei den Hundeausstellungen allerdings sollten ein gutes Exterieur, rassetypischer Gesichtsausdruck und gutes Gangwerk oberste Priorität haben und der Richter sollte sich trauen dürfen, den Pudel auch mal anzufassen, um eine gute Brustausformung, Winkelungen und Hals-Rückenlinie auch wirklich ertasten zu können.
Manchmal wird mit der richtigen Schur etwas zu kaschieren versucht, was eigentlich anatomisch nicht korrekt ist. Die meisten Richter trauen sich dies bei langhaarigen, oftmals gestylten Rassen nicht mehr, aus Angst sie müssten gesprayte Haare, was auch verboten ist, fühlen oder die Frisur durcheinander bringen.
Sollte der Richter es doch wagen und bewertet diesen Hund gerecht, so wird er teilweise noch auf der Ausstellung beschimpft oder in den Sozialen Medien „zerrissen“.

Anmerkung: Auf der Internationalen Ausstellung in Split/Kroatien wagte es ein Richter den Malteser abzutasten, nahm dann der Handlerin den Kamm aus der Hand und kämmte dem Hund schnell übers Fell.

In was für einer Zeit leben wir eigentlich? Umgeben von Funktionären-Richtern-Profihandlern, wo die Auszeichnungen aus rein politischen Gründen ausgehändigt werden, um dann in den sozialen Medien damit glänzen zu können und sein Ego aufzuwerten.

Es müsste wieder mehr Gerechtigkeit in das Richten zurückkommen, dann würden sich auch die Meldezahlen wieder erhöhen, aber wenn die etablierten Züchter und Aussteller, den Anfängern teilweise sogar feindlich gegenüber stehen, anstatt sich über Zuwachs von Neulingen zu freuen und sie zu unterstützen, sehe ich schwarz. Jeder, auch die großen Züchter/Aussteller, haben einmal angefangen. Der beste Hund soll gewinnen, egal ob von einem Anfänger- Freund oder Feind. Nur das zählt wirklich- auch wenn das Styling des Hundes oder das Handling des Anfängers nicht so perfekt sind. Die wirklich „großen“ Richter werden über diese oberflächlichen Aspekte hinwegsehen und in der Lage sein die gute Qualität des Hundes zu erkennen und auch zu honorieren.

Anmerkung was mir noch auf dem Herzen liegt:

Bei immer mehr Ausstellern muss ich den harschen Umgang mit dem Hund mehr als bemängeln. Er wird als ein Objekt gesehen, mit dem man unbedingt gewinnen möchte. Dass es sich um fühlende Lebewesen und Familienmitglieder handelt, wird vergessen. Mit Liebe zum Hund hat das auch wenig zu tun. Eher eine Marketingstrategie- man will bekannt werden oder bleiben und vielleicht verkaufen sich Welpen von Championeltern besser und teurer als von Hunden ohne Auszeichnungen. Dafür werden die Hunde von Ausstellung zu Ausstellung geschleppt und müssen viel über sich ergehen lassen, an das Wohl der Tiere denken diese Menschen nicht, sonst würden sie ihre Hunde auch mal spazieren führen, ihnen Wasser geben und die Warnung der Ausstellungsleitung, bitte keine Hunde bei Sommerhitze im Auto zu lassen, wäre überflüssig. Sie nehmen sogar den Tod oder die Überhitzung der anderen mitgebrachten Hunde in Kauf, weil sie nur an den Augenblick des Richtens denken, im Rampenlicht beim „Best In Show“ stehen wollen und dann alles andere vergessen.

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln. (Mahatma Gandhi)

Doris Steger im September 2019

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